Hallo Christian,
danke für die ausführliche Informationen. Ich werde die Absätze kommentieren, um einem weiteren Einblick in unsere Situation zu geben:
Deine Frau soll den Schlepper hauptsächlich bewegen. Wie technik-versiert ist deine Frau? Ein Schlepper aus der Generation ist kein Auto. Da braucht es Gefühl und Sachverstand, um diesen sicher und komfortabel zu bewegen. Auf Deutsch: mann muss schon ungefähr wissen, was man tut. (Das ist jetzt nicht sexistisch zu verstehen, sondern beruht eher darauf, dass du hier anfragst, und nicht sie selbst)
Ich halte den Hinweis für realistisch und wichtig! Korrekt ist: Meine Frau will ... Sie gehört nicht zu dem Schlag der zierlichen Reiterinnen, sondern wirft den Hof (Tiere, Weide, Garten, etc.) komplett alleine, da ich (beruflich selbständig) wenig Zeit habe. Sie ist durchaus technikaffin; allerdings unterstütze ich sie, wenn die technischen Probleme zu tief gehen. Wenn meine Möglichkeiten an die Grenzen kommen, haben wir einen Nachbarn, der eine Werkstatt für Landmaschinen leitet ...
Frontladerbetrieb und Lenkhilfe: Wofür genau benötigst du den Frontlader? Lenkhilfen sind bei der Generation und der Fahrzeuggröße i.d.R. nachgerüstet. Ob das gut funktioniert, ist sicher auch etwas glückksache. Ich habe ein ähnliches Nutzungsprofil, bewege die Ballen aber ausschließlich am Heck (Ballengabel mit hydraulischem Oberlenker, damit lassen sich die Ballen bis ca. 70cm vom Boden anheben)
Der Hinweis für den Transport der Heuballen am Heck ist gut! Danke. Dennoch benötigen wir den Frontlader, da meine Frau den Pferdemist kompostieren möchte, um anschließend den Kompost zum düngen der Weide zu nutzen ... Wenn es nur um die Heuballen ginge, würde ich nach dem Hinweis sofort den Frontlader streichen.
Hydraulische Bremse: Ist nicht unbedingt vom Vorteil. An der Bremskraft ändert das nichts. Die mechanische Bremse über das Gestänge ist deutlich zuverlässiger und bei richtiger Einstellung mit gleicher Bremskraft zu bedienen. Nicht umsonst war die hydraulische Bremse nur ein zeitlich sehr begrenzter Ausflug von MF in dieser Zeit, die späteren Modelle haben wieder eine doppelte mechanische Bremse.
Okay > wenn die Bremsen ohne Hydraulik vergleichbbar in der Nutzung (Kraft) sind, ist ein Traktor ohne diese zusätzliche Technik sicherlich von Vorteil > eine Komponente weniger, die ausfallen kann.
"Muschelkotflügeloptik": Bitte beachten, dass je älter der Traktor, desto gefährlicher sein Betrieb. Überrollbügel ist nicht vorgeschrieben, aber m.E. unumgänglich. Bei Muschekotflügel sollte man sich bewusst sein, nicht ins drehende Rad zu greifen. Mann muss auch bei den größeren Kotflügeln aufpassen, dass man mit dem Fuß beim Rückwärtsfahren nicht in die Ackerstollen gerät, Das würde Anfang der 70er mit neuen Kotflügeln, die bis zum Trittblech gehen, geändert. Auch die Bedienergonomie (z.B. horitzontale Brems- und Kupplungspedale) sind nicht darauf optimiert, im Gefahrenfalle intuitiv richtig bedient zu werden. Das Kupplungspedal kann darüber hinaus bei Rangierbetrieb schonmal für erheblichen Muskelkater in den Beinen sorgen ;-)
Okay > bei diesem Punkt kommen wir an die Splittung der des Bedarfs! Für die Arbeiten würde es auch Traktor tun, der technisch funktioniert und optisch wie ein Schrotthaufen aussieht. wir beide finden allerdings diese alten Traktoren von der Optik sehr schön ... und wenn schon arbeiten, dann soll das Gerät schon ein bischen Spass machen - auch optisch. für die Hinweise auf die gefährlichen Aspekte danke ich dir > da denken wir: Gefahr erkannt = Risiko eingeschätzt.
Zuverlässigkeit: einen gebrauchten Traktor zu kaufen, ist immer ein wenig Lotterie. Grundsätzlich sind die Maschinen sehr solide gebaut und kaum kaputt zu bekommen. Die meisten haben jedoch ihre eigentliche Lebensdauer hinter sich (8-10.000 Betriebsstunden). Wenn die "optisch" restauriert wurden, wird da immer wieder was dem Verschleiß zum Opfer fallen. Oder undicht werden. Einen komplett restaurierten Schlepper dieser Zeit bekommst du nicht für schmales Geld. So eine Restauration kann schnell 10.000€ alleine an Material kosten. D.h. Schlepper unter 5.000€ werden kaum vollständig restauriert (= verschleißtechnischer Neuzustand) sein. Teilrestaurationen können ausreichend sein, aber nur wenn der Verschleiß genau bewertet wurde. Und da ist die Frage, wie soll man das rausfinden?
Ja, ein wichtiger Hinweis, der sicherlich auch im Zentrum meiner Überlegungen steht, da ich mangels Erfahrungen mit Traktoren ein Fahrzeug nur bedingt einschätzen kann. Bei einem Kauf in größerer Entfernung würde mir mein Nachbar bei Fragen in der Einschätzung des Zustands weiterhelfen, was aber auch zum Übersehen von wesentlichen Mängeln führen kann. Meine grundsätzliche Überlegung ist folgende:
Wenn wir uns bei der Realisierung eines Traktor den Wunsch der Muschelkotflügel erfüllen wollen, bleibt nur ein Traktor der vorher genannten Hersteller aus den 60er Jahren. Ein jüngerer Tracktor liegt beim Kaufpreis schnell bei 10.000 € und mehr. Da der Traktor auf unserem Hof eigentlich relativ wenig gefahren wird, bleibt zum Beispiel bei dem Kauf des obigen ITM eine Menge Luft für eventuell notwendige Reparaturen ... Der Traktor ist auch nicht relevant für die Bewirtschaftung des Resthofs sondern lediglich eine Vereinfachung der Arbeiten und Erweiterung der Möglichkeiten zum Produzieren von Kompost aus Pferdemist. Also: Ein Spargat zwischen Traktorwunsch als Hilfsgerät und interessantes Gerät auf unserem sanierten Hof und den glänzenden anblick eines solchen schönen Traktors. Ah, vergessen: Die geringere Größe dieser alten Traktoren > sie nehmen nicht soviel Platz weg.
Die Überholung eines 3-Zylinder-Motors kostet in der Fachwerkstatt 3-4000€. dementsprechend wertig ist eine überholte Maschine, wenn sie nicht wieder viele tausend Stunden gelaufen hat. Für die Überholung würde ich mir aber vollständige Nachweise einfordern, sonst siehe Punkt zuvor...
Ja, im Falle des ITM oder auch anderer Fahrzeuge ist der Nachweis wichtig! Erzählen kann jeder etwas ...
Wenn du den Schlepper fürs Heu benötigst, muss das Gerät zuverlässig sein. Sonst verhungern die Pferde. Ich habe deshalb hier eine Backup-Lösung per Auto+Kipper. Den trotz 100%-Restauration kann an der alten Technik immer etwas sein, was den Einsatz einschränkt. Das Risiko ist m.E. ziemlich unübersichtlich, wenn man nicht einschätzen kann, in welchem Qualität restauriert wurde.
Wir heuen nicht selbst, da die Weide dafür zu klein ist. Wir kaufen geeignetes Heu, das angeliefert wird und von uns nur noch aus der Scheune über den Hof zum Offenstall gerollt werden muss ... es sei denn, ein Traktor nimmt den Heuballen auf und transportiert ihn zum Stall. Backup bei uns wäre: wieder rollen.
Meine persönliche Empfehlung (ich bin jedoch kein alter Hase diesbezüglich!): Suche dir einen Schlepper aus dem Nebenerwerb, der Baujahr zw. 1970 und 1980 ist, und so 3-4000 Stunden (nachweislich!) gelaufen ist. Da ist das Verschleißthema unkritisch, lediglich bei Wellendichtringe könnte ein altersbedingter Tausch anstehen. Am besten mit so wenig Ausstattung wie möglich (also ohne FL und ohne Lenkhilfe, wenn du auch mit der HEckhydraulik zurecht kommst), weil was nicht da ist, kann auch nicht kaputt gehen.
Ja, das wäre sicherlich eine alternative Möglichkeit. Ich denke aber, dass unser obiger Bedarf diesen Schritt "verbietet" ...
Deshalb hoffe ich, dass mir hier noch jemand aus dem Forum mehr über den ITM und seine technischen Nachteile schreiben kann. Die Tatsache, das es sich um einen Nachbau handelt, schreckt mich erstmal nicht ab, da ich nicht mit einer Wertsteigerung aufgrund von Originalität spekuliere.
Gruß Chris